|
Barrique-Weine: Der
große Schwindel mit der Bezeichnung.
Barrique kommt aus dem französischen und
heißt eigentlich nur: Fass.
Der Wunsch, dem Wein einen „Holzton“ zu verleihen, hat oftmals
Marketinggründe; man glaubt, einen Wein, der nach Holz, nach Barrique
schmeckt, teurer verkaufen zu können. Jedoch gilt ein zu prägnanter,
vordergründiger Holzgeschmackston in Wirklichkeit als Fehler des Weines.
In den 1980er Jahren kam die Technik des Fassausbaues weltweit
in Mode. Diese Entwicklung ist zum einen auf die Internationalisierung
des Weinbaus zurückzuführen, wobei die in Bordeaux angewandten Methoden
eine Vorbildfunktion einnehmen. Zum anderen ist die Nachfrage nach
hochwertigen, schweren Rotweinen mit komplexen Aromen stark gestiegen,
so dass ein großer Markt für „Barriqueweine“ auch in anderen als den
traditionell dafür bekannten Regionen entstand.
Um die Kosten der Bereitung von „Barrique“-Fassweinen zu
verringern, werden im internationalen Weinbau seit einiger Zeit Methoden
verwendet, die den Holzgeschmack ohne Holzfasslagerung liefern. Entweder
werden dem Wein sogenannte Chips zugesetzt, Holzplättchen, oder aber das
"Barrique"-Aroma gleich in pulverförmiger oder flüssiger Form
hinzugefügt. Solche Methoden der Weinherstellung sind in der EU seit dem
Inkrafttreten des
Weinhandelsabkommens zum 1. Januar 2006 zulässig. Zuvor durften
diese Weine (meist Wein aus Kalifornien, Australien und Neuseeland)
jedoch in der EU gehandelt werden. Ob ein Wein mit echten Barriques oder
durch Holzchips aromatisiert wurde, lässt sich nicht immer zweifelsfrei
nachweisen.
Der Club bleibt daran und informiert die Weinfreunde. Siehe
auch unter www.weinspezl.de
Bei den sogenannten Chips hat der Anwender verschiedene
Möglichkeiten. Entweder werden an den Innenwänden der Stahltanks
Eichenholzbretter angebracht, oder man hängt bei kleineren Einheiten
einfach ein Säckchen mit Holzstückchen in den Wein. Die Tannine und der
Eichengeschmack werden in den Wein abgegeben und prägen so den
Geschmack, ohne dass die mit dem Holzfass verbundene längere
Lagerfähigkeit erreicht wird. Solche Eichenweine erkennt man entweder am
Preis, denn Holzstücke sind immer deutlich billiger als hochwertige
Fässer, oder nach Öffnen der Flasche am unerwarteten schlechten
Geschmack, denn diese Weine bauen relativ schnell ab und schmecken dann
unerfreulich.
Der Ausbau im kleinen Eichenholzfass wurde in Deutschland erst
in den 1990er Jahren eingeführt. Die Weine mussten zunächst als
Tafelwein vermarktet werden, da sie früher nicht als Qualitätswein
anerkannt wurden. Mittlerweile allerdings haben deutsche Barriqueweine
ein hohes Qualitätspotenzial erreicht, gelten aber nach wie vor als
Nischenprodukt und sind im Hochpreissegment angesiedelt. Die Zulassung
von Eichenholzchips ist derzeit in Fachkreisen heftig umstritten, bisher
wurden in Deutschland lediglich Ausbauversuche gestattet.
Alois Landgraf, für den Club Europeo Dei Gourmet Tel. 08106/7467 und
0171-337663
|